{"id":11,"date":"2018-06-15T09:47:38","date_gmt":"2018-06-15T09:47:38","guid":{"rendered":"https:\/\/cms.eumotion.eu\/?page_id=11"},"modified":"2018-06-22T15:16:38","modified_gmt":"2018-06-22T15:16:38","slug":"vision","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/cms.eumotion.eu\/?page_id=11","title":{"rendered":"Vision"},"content":{"rendered":"<p><strong>HERAUSFORDERUNGEN IN TURBULENTEN ZEITEN<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Wohlstandzuw\u00e4chse bleiben aus<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die gewohnten Wohlstandszuw\u00e4chse bleiben mehr und mehr aus, die Verteilungs-K\u00e4mpfe werden innerhalb von Gesellschaften massiver, zudem existieren weltweit etwa 140 Billionen Schulden; der Zuwachs an Arbeitsproduktivit\u00e4t sinkt seit 60 Jahren, das Realeinkommen steigt seit Jahrzehnten fast nicht mehr.<\/p>\n<p><em><strong>Sicherheitslage und Sicherheitsarchitektur werden schwierig<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Tendenzen eines massiven, aufkeimenden Nationalismus\u2018 in der T\u00fcrkei, in den USA und in den Visegrad-Staaten sind erkennbar, die be\u00e4ngstigend kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten erscheinen fast wie eine Konstante.<\/p>\n<p><em><strong>Ver\u00e4nderung des Weltklimas<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Deutschland erreicht seine Klimaziele nicht (Ziel f\u00fcr 2020: 40 % weniger Treibhausemissionen als 1990). Die Energie-Nachfrage sinkt nicht, zudem w\u00e4chst die Mobilit\u00e4t, au\u00dferdem werden noch immer 40 % der Energie aus Kohle gewonnen.<\/p>\n<p>Seit 1990 sind die CO-2-Emissionen weltweit um 61 % gewachsen \u2013 der Emissionshandel ist als gescheitert zu klassifizieren. Und beim 2-%-Erw\u00e4rmungs-Ziel m\u00fcssen 4\/5 der Kohlenstoffreserven im Boden bleiben.<\/p>\n<p><em><strong>Die Weltbev\u00f6lkerung w\u00e4chst rasch<\/strong><\/em><\/p>\n<p>2050 werden etwa elf Milliarden Menschen zu ern\u00e4hren sein, wobei das Wachstum regional sehr unterschiedlich ist.<\/p>\n<p><strong><em>Die Politik versagt v\u00f6llig \u2013 und Religionen werden nicht verhaltenswirksam<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Politik \u2013 als gesellschaftliches Spiegelbild \u2013 versagt angesichts ihrer funktionalen Inkompetenz mehr und mehr. Ausgewogene gesellschaftliche Entscheidungen sind kaum zu erwarten, weil es auf der stellvertretenden politischen Ebene keine angemessene Reflexion gibt.<\/p>\n<p>Klassische Religionen und auch moderne Religionen wie Kommunismus und Kapitalismus klammern die genetische Programmierung des Menschen aus: quasi alle Religionen haben versucht, den Menschen gravierend zu \u00e4ndern \u2013 bis dato v\u00f6llig erfolglos.<\/p>\n<p><em><strong>Digitalisierung \u2013 die digitale Droge<\/strong><\/em><\/p>\n<p>97 % der 14- bis 27-J\u00e4hrigen k\u00f6nnen sich kein Leben ohne Handy vorstellen. Und die \u00fcber 50-J\u00e4hrigen verbringen im Durchschnitt 300 Minuten vor visuellen Ger\u00e4ten.<\/p>\n<p>In den USA gibt der Durchschnitts-Haushalt pro Monat mehr Geld aus f\u00fcr Pornofilme als f\u00fcr alle Kulturg\u00fcter zusammen.<\/p>\n<p>Unsere Realit\u00e4t wird verzerrt: Einerseits suchen wir Beruhigungsmittel, einen Gegenentwurf zur Realit\u00e4t. Andererseits suchen wir das Schrille, das Laute, das Sensationelle, n\u00e4mlich die realen Trag\u00f6dien.<\/p>\n<p>Welche Konsequenzen sind daraus abzuleiten? Wir werden immer histrionischer, also theatralischer, oberfl\u00e4chlicher, labiler und aggressiver.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten die Informations-Technologie beispielsweise nutzen, um uns \u00fcber den Status der momentanen Staatsverschuldung oder \u00fcber die H\u00f6he der Emissionen der Treibhausgase zu informieren \u2013 dies machen wir aber nicht.<\/p>\n<p>Wir glauben, frei zu sein \u2013 aber letztlich werden wir zu digitalen Marionetten auf dem Weg zur sozialen Entropie.<\/p>\n<p>Und noch ein weiterer wichtiger Effekt ist zu erwarten: Die Digitalisierung wird zu einem erheblichen Arbeitsplatz-Verlust f\u00fchren. Die Realeinkommen werden nicht steigen, wobei zu erg\u00e4nzen ist, dass schon bislang Wirtschaftsaufschw\u00fcnge nicht das Ergebnis real gestiegener Einkommen sind, sondern die Konsequenz der stetig wachsenden Verschuldung.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nURSACHEN DIESER HERAUSFORDERUNGEN<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Komplexit\u00e4t, Technologie sowie Dynamik f\u00fchren zu faktischer Inkompetenz<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Geschwindigkeit und Umfang der Komplexit\u00e4t bedingen rasch, dass die gesellschaftliche Mehrheit ihre Orientierung verliert. F\u00e4higkeits- und Wissenszuwachs entwickeln sich mittlerweile erheblich langsamer und geringer als der technische Fortschritt.<\/p>\n<p>Erhebliche Teile unserer Gesellschaft k\u00f6nnen die aktuelle Komplexit\u00e4t nicht mehr decodieren und interpretieren, es ist bereits jetzt hohe Fachkompetenz f\u00fcr das t\u00e4gliche Leben n\u00f6tig. Einsch\u00e4tzungen sind in vielen F\u00e4llen nur noch emotional orientiert, eine analytische Reflexion unterbleibt.<\/p>\n<p><em><strong>Gesellschaftlicher Split \u2013 unser Miteinander zerbricht<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die bisherige gesellschaftliche Aufweichung wird r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht in Richtung einer bipolaren Gesellschaft: \u201ahigh potentials\u2018 kontra Masse&#8230;<\/p>\n<p>Die Ablehnung der Eliten beginnt, krasse Facetten anzunehmen. Der mittlerweile \u00f6ffentliche Hass auf die sog. Bildungsgesellschaft w\u00e4chst rasch, nicht nur anl\u00e4sslich des Hamburger G-20-Gipfels.<\/p>\n<p>Auch \u201aProlo\u2018 ist nicht mehr eine Frage des Geldes. Verm\u00f6gend \u2013 fr\u00f6hlich \u2013 ordin\u00e4r, so scheint es, wird zu einem vertrauten gesellschaftlichen Dreiklang.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nFAZIT<\/strong><\/p>\n<p>Wir waren fest \u00fcberzeugt, unsere westliche Gesellschaft w\u00fcrde durch wissensbasierte Entdeckungen \u201afast automatisch in den Fortschritt getrieben\u2018: Wachsende Industrialisierung, Technologie, zunehmende Mobilit\u00e4t w\u00fcrden menschliches Leben verbessern. Wir haben geglaubt, Computer werden schneller, moderne Medien immer leistungsf\u00e4higer und die Einkommen unaufhaltsam h\u00f6her.<\/p>\n<p>Vor allem waren wir sicher, dass der Nucleus einer humanistisch und liberal gepr\u00e4gten Zukunft von der Bildung verk\u00f6rpert wird.<\/p>\n<p>Aber offensichtlich reicht die Vermittlung von klassischen Schl\u00fcsselqualifikationen f\u00fcr ein dringend n\u00f6tiges politisch-gesellschaftliches Redesign nicht aus, um die Herausforderungen der Zukunft zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>Bislang sind wir nicht einmal in der Lage, die wachsende Dynamik und den zunehmenden Umfang der Brandherde zu bremsen.<\/p>\n<p>Wir sind zu oft Menschen ohne beispielgebende Tugenden und ohne reale Tr\u00e4ume geworden. Wir erkennen immer klarer, dass wissenschaftlicher Fortschritt, Informationstechnologie und klassisches Wissen allein keinen Fortschritt garantieren k\u00f6nnen. Wir brauchen dringend die motivierende Vision einer reflexionsf\u00e4higen Bildungsgesellschaft &#8211; und keinen oberfl\u00e4chlichen, utopiefreien und globalisierten Lifestyle-Kapitalismus.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-39\" src=\"https:\/\/cms.eumotion.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/D-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"577\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/cms.eumotion.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/D-300x225.jpg 300w, https:\/\/cms.eumotion.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/D-768x576.jpg 768w, https:\/\/cms.eumotion.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/D-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 577px) 100vw, 577px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HERAUSFORDERUNGEN IN TURBULENTEN ZEITEN Wohlstandzuw\u00e4chse bleiben aus Die gewohnten Wohlstandszuw\u00e4chse bleiben mehr und mehr aus, die Verteilungs-K\u00e4mpfe werden innerhalb von Gesellschaften massiver, zudem existieren weltweit etwa 140 Billionen Schulden; der Zuwachs an Arbeitsproduktivit\u00e4t sinkt seit 60 Jahren, das Realeinkommen steigt seit Jahrzehnten fast nicht mehr. 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